Elternschaft: zwischen persönlicher Entscheidung und sozialem Druck

Eltern werden ist in erster Linie eine individuelle Angelegenheit. Dennoch ist die gesellschaftliche Norm der «Familiengründung» auch heute noch sehr stark ausgeprägt. Zwischen persönlicher Entscheidung und sozialem Druck ist es nicht immer leicht, den eigenen Weg gelassen zu gehen. Wie Ihre Wünsche und Ihre Realitäten auch immer aussehen: Befinden Sie sich in einer schwierigen Lebensphase, ist es wichtig, Hilfe in Anspruch zu nehmen. 

 

Erlebnisberichte von Eltern

Eltern werden oder eben nicht: verschiedene Realitäten

Der Wunsch, Eltern zu werden, ist privat und ein grundlegendes Freiheitsrecht. Viele Menschen möchten Eltern werden, andere dagegen nicht. Was auch immer die Gründe dafür sein mögen – Bewahrung von Freiheiten, der Wunsch, sich voll und ganz der Beziehung zu widmen, ein schmerzhaftes Ereignis in der Vergangenheit, der Wille des Partners oder andere Gründe – jeder Grund ist triftig. Nach wie vor ist der Wunsch, kein Kind zu haben, ein Tabu und wird nicht immer verstanden und akzeptiert, nicht einmal in der unmittelbaren Verwandtschaft. Der Druck, ein Kind zu bekommen, selbst wenn wohlwollend und oft unausgesprochen, kann Leiden verursachen. Mit dem Partner und/oder einer Vertrauensperson darüber zu sprechen, kann diesen Druck lindern.

Es kommt auch vor, dass der Wunsch nach einem Kind in der Paarbeziehung nicht von beiden in gleicher Weise geteilt wird. Diese Situation stellt die emotionale Beziehung nicht unbedingt in Frage, kann aber Stress und Angst auslösen und zu Spannungen in der Beziehung führen. Aus Angst vor der Reaktion des Partners ist es nicht immer einfach, über dieses Thema zu sprechen. Wenn Sie sich in einer solchen Situation befinden und es für Sie schwierig ist, mit dem Partner und/oder mit einer nahestehenden Person darüber zu sprechen, zögern Sie nicht, eine Fachperson in einem Zentrum für sexuelle Gesundheit zu konsultieren (Adressen in Ihrem Kanton finden Sie hier).

Eine persönliche und/oder gemeinsame Entscheidung, die von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird

Eltern zu werden ist eine grosse Veränderung im Leben (siehe Kapitel «Eltern werden»), und möglicherweise fühlt man sich dafür nicht bereit. Sie sollten nicht zögern, über Ihre Fragen zu sprechen, wenn:

  • Sie sich zu jung oder zu alt fühlen, 
  • Ihre persönliche Situation oder die als Paar nicht ideal scheint,
  • Ihr beruflicher Kontext es nicht erlaubt, diese Veränderung gelassen zu betrachten,
  • Ihre finanzielle Lage sehr prekär ist, 
  • ein anderer Grund Anlass zur Sorge gibt. 

Diese Fragen und Bedenken sind verständlich, und es ist wichtig, darüber zu sprechen. Mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin, mit einer Vertrauensperson und mit Fachpersonen.
 

Ungeplante Schwangerschaft

Manchmal kann eine Schwangerschaft ungeplant und ungewollt sein. Dies kann beunruhigen, Stress und Angst auslösen und für beide Partner wichtige Fragen aufwerfen. 

In der Schweiz ist es möglich, einen Schwangerschaftsabbruch innerhalb von 12 Wochen (ab dem ersten Tag der letzten Regelblutung) vorzunehmen. Diese Entscheidung liegt bei der Person selbst, bedarf aber einer fachlichen Begleitung. Alle Kantone verfügen über sexuelle Gesundheitszentren (siehe Adressen Ihres Kantons hier). Die Fachpersonen begleiten die Personen bei ihren Überlegungen, ob sie die Schwangerschaft abbrechen oder fortsetzen möchten.

Ein freiwilliger Schwangerschaftsabbruch (= Abtreibung), auch wenn es eine überlegte Entscheidung ist, kann schwierig sein. Beispielsweise kann man Verlust- oder Schuldgefühle empfinden, wodurch die psychische Gesundheit beeinträchtigt wird. Vor und/oder nach der Abtreibung können Angst- oder Depressionssymptome auftreten. Zögern Sie nicht, in einer solchen Phase einen Psychiater oder einen Psychologen um Hilfe zu bitten.

Sie können sich auch dafür entscheiden, eine ungeplante oder ungewollte Schwangerschaft fortzuführen. Verschiedene Fachleute, wie Hebammen und Gynäkologen, werden Sie während dieser Zeit begleiten. Wenn Sie irgendwelche Bedenken haben, zum Beispiel betreffend

  • Beziehung, die Sie zu Ihrem Kind aufbauen werden,
  • Folgen für Ihre finanzielle und/oder berufliche Situation,
  • Veränderungen in Ihrem persönlichen Leben,

diskutieren Sie diese Schwierigkeiten mit den Fachleuten. Je nach Ihren Bedürfnissen werden sie Sie an andere Spezialisten verweisen. Viele Verbände, Organisationen und Dienste helfen Familien und künftigen Familien. Sie können diese verschiedenen Ressourcen hier einsehen. 

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