Jedem seine Familie

In die Vater- oder Mutterrolle schlüpft man nach und nach mit allen Stärken und Schwächen. Jeder baut sein eigenes Familienmodell auf. Vielleicht erkennen Sie sich in den ach so glücklich dargestellten Familienbildern nicht wieder – das kann destabilisieren und zu Stress führen.

 

Erlebnisberichte von Eltern

Familie im wirklichen Leben

Das Abendessen brodelt auf dem Herd, glückliche Eltern spielen mit ihrem lächelnden Kleinkind in einem perfekt aufgeräumten Haus: Mit diesem Bild wird häufig das Familienleben mit einem kleinen Kind beschrieben. Fotos in den Alben und in den sozialen Medien zeugen von diesen kostbaren Momenten des Elternwerdens. Ein Idealbild, das für die Eltern Druck und Stress auslösen kann. Denn in der Realität des Alltags ist es gar nicht so einfach, Eltern kleiner Kinder zu sein. Ein weinendes Baby, ein unruhiges älteres Kind, eine unordentliche Wohnung, das Essen, das noch nicht einmal begonnen wurde, oder schmutzige Wäsche, die sich stapelt: eine Realität, mit der die meisten Eltern von Kleinkindern zu kämpfen haben. Und das ist normal: Solche Momente machen Sie nicht zu schlechten Eltern!

Die Geburt eines Kindes ist eine grosse Veränderung (siehe auch Kapitel «Eltern werden»), und die Elternrolle erlernt man allmählich mit seinen Stärken und Schwächen. Jeder Elternteil tut sein Bestes, und es ist normal, nicht alles alleine zu schaffen. Bitten Sie jemanden, dem Sie vertrauen, um Hilfe, zum Beispiel für:

  • das Zubereiten von Mahlzeiten
  • Putzen oder Waschen
  • Wiegen des Kindes
     

Um Hilfe bitten ist kein Zeichen von Schwäche! 

Wenn Sie allein sind, wenn Sie sich einsam fühlen oder Rat brauchen, zögern Sie nicht, die Pro Juventute Elternratgeber-Hotline anzurufen. Die Nummer 058 261 61 61 ist Tag und Nacht erreichbar und die Beratung kostenlos. Hier können Sie auch die verschiedenen Familienressourcen in Ihrem Kanton einsehen. 
 

Die verschiedenen Arten von Familien

Die Familie, wie man sie aus Zeitschriften, den sozialen Netzwerken oder dem Fernseher kennt, wird oft von einem Vater und einer Mutter in Begleitung eines Kindes oder mehrerer Kinder dargestellt. Und noch immer ist dieses traditionelle Familienmodell die Referenz vieler Gesetze, die das Leben in der Gesellschaft organisieren.

Heutzutage gibt es jedoch andere Arten von Familien: alleinerziehende (= alleinerziehende Mutter/alleinerziehender Vater mit einem Kind oder mehreren Kindern), Patchwork (= ein Paar mit einem Kind oder mehreren Kindern, die aus einer anderen Ehe/Beziehung stammen) oder Regenbogenfamilien (= Familien, in welchen sich mindestens ein Elternteil als lesbisch, schwul, bisexuell, queer oder trans versteht; die Kinder können aus vorangegangenen heterosexuellen Beziehungen stammen oder in eine lesbische oder schwule Beziehung hineingeboren, adoptiert oder als Pflegekinder aufgenommen worden sein).

Ein Teil unserer Gesellschaft akzeptiert diese Vielfalt nur schwer und kann dazu neigen, die als anders angesehenen Modelle abzulehnen. Folglich kann es zu Stress, Angst oder Isolation führen, ist man Elternteil oder Partner eines Elternteils in einer nicht-traditionellen Familie. Wichtig ist, mit Fragen und Bedenken nicht alleine zu bleiben.

Zögern Sie nicht, sich an den Schweizerischen Verband der Einelternfamilien oder an die Vereinigung der Regenbogenfamilien zu wenden. Sie können Ihnen wertvolle Ratschläge geben und Sie ermutigen, mit einer Vertrauens- oder Fachperson über Ihre Bedenken zu sprechen.

Die Fachstellen für sexuelle Gesundheitin Ihrem Kanton beispielsweise hören zu, unterstützen und orientieren, allen voran zu Fragen der Sexualität, aber auch ganz allgemein zur Konstitution einer Familie in ihrer gesamten Vielfalt.
 

Interview mit einer/einem Expertin/Experten

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