Wenn das Wunschkind nicht kommt

Fruchtbarkeitsstörungen sind für viele Menschen eine Realität: Zwischen 10 % und 15 % der Paare in der Schweiz sind davon betroffen. Unabhängig davon, welcher Weg man einschlägt, können solche Probleme die psychische Gesundheit der Betroffenen und die Paarbeziehungen erheblich erschüttern. Bevor die Last zu schwer wird, muss man darüber sprechen, und nötigenfalls um Hilfe bitten.

 

Wenn das Wunschkind nicht kommt, können Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen stark leiden. Eine Unfruchtbarkeit kann für beide Partner eine grosse – gar existentielle – Krise bedeuten. Zwischen Hoffnung, Enttäuschung, Trauer und Entscheidungen kann der Prozess langwierig und emotional sehr belastend sein. Wenn Sie diese Erfahrung machen, empfinde Sie vielleicht Traurigkeit, Wut, Ungerechtigkeit, Missverständnis oder Schuldgefühl. Wichtig ist, nicht allein zu bleiben und mit dem Partner darüber zu reden. 

Eine solche Erfahrung, die von den Partnern in unterschiedlichem Tempo durchlebt wird, kann das Paar stark destabilisieren. Der Wunsch nach einem Kind kann zur Besessenheit werden und intime Beziehungen erschweren. Es ist wichtig, sich innerhalb des Paares auszutauschen und eigene Gefühle auszudrücken. So kann man für beide den richtigen Weg finden und sich gegenseitig unterstützen.

Zudem ist es wichtig, sich jemandem anzuvertrauen, der einem nahe steht, und/oder einer Fachperson – auch wenn dies in unserer Gesellschaft, in der Unfruchtbarkeit noch immer ein Tabuthema ist, schwierig sein kann. Wenn es belastend wird, in der Nähe von Freunden oder Verwandten mit Kindern zu sein, teilen Sie Ihnen mit, wie Sie sich fühlen, und welche Situationen für Sie schwierig zu bewältigen sind. In den meisten Fällen wird dies dazu beitragen, den Schmerz zu lindern und Missverständnisse oder Unannehmlichkeiten vorzubeugen. 

Fertilitätsprobleme bedeuten nicht zwangsläufig, dass Sie Ihren Kinderwunsch aufgeben müssen. Es gibt Wege wie Fortpflanzungsmedizin und Adoption, die jedoch körperlich und emotional sehr belastend sein können (siehe Kapitel «Eltern werden durch Fortpflanzungsmedizin oder Adoption»).

Wie lange Ihr Weg zum Elternsein auch dauern mag: Es ist wichtig, dass Sie sorgfältig und aufmerksam darauf achten, dass sich Ihr Leben nicht nur um diesen Kinderwunsch dreht und er nicht zur Besessenheit wird. Auch während Wartezeiten müssen Sie Ihr eigenes Leben weiterleben. 

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