Familienleben

Ereignisse auf familiärer Ebene können einen Einfluss auf unser psychisches Wohlbefinden haben. Ob es sich nun um positive Ereignisse oder schwer zu verarbeitende Erlebnisse handelt (die Geburt eines Kindes, eine Trennung, eine schwere Krankheit, der Tod einer nahestehenden Person) – grosse Veränderungen können uns aus dem Gleichgewicht bringen.

Dieses Kapitel behandelt Lebensereignisse, die einen Einfluss auf unsere psychische Gesundheit haben können. Schauen Sie sich doch auch die anderen Themen unter «Psychische Gesundheit, ein Leben lang» an.

Geburt eines Kindes

Die Gesellschaft fasst Schwangerschaft und die Geburt eines Kindes als frohe Ereignisse auf. Sie können aber auch eine kritische Zeit sein, da sie viele Veränderungen mit sich bringen (schlaflose Nächte, Anpassung an ein Leben zu Dritt oder mehr, körperliche Veränderungen). Häufig ist es für eine Mutter, einen Vater oder das Elternpaar schwierig, zu diesen Problemen zu stehen und darüber zu sprechen. Zu gross ist die Angst, von der Gesellschaft verurteilt zu werden.

Die Zeit unmittelbar nach der Geburt kann für die Mutter schwierig sein. Die meisten Frauen empfinden nach der Geburt einen «Babyblues» (postpartales Stimmungstief), was ganz normal ist. Die Mutter ist oft den Tränen nah, fühlt sich inkompetent, ist besorgt und verunsichert. Solche Gefühle treten einige Tage nach der Entbindung auf und verschwinden im Allgemeinen nach zwei Wochen wieder von selbst.

Bleiben die Symptome bestehen, kann es sich um eine Wochenbettdepression (postpartale Depression) handeln. Spezialisierte Fachpersonen können der Mutter helfen. Sollte es nötig sein, werden sie und ihr Neugeborenes im Spital aufgenommen. Den Eltern kann aber auch eine Hilfe zur Seite gestellt werden, die sie bei ihren alltäglichen Aufgaben zuhause unterstützt.

Auf jeden Fall ist es wichtig, über seine Schwierigkeiten zu sprechen und punktuelle Hilfe anzunehmen. Hebammen, die Mütter- und Väterberatung und/oder Ärztinnen und Ärzte bieten ein offenes Ohr und Unterstützung.

Trennung

Eine Trennung von einer Person, zu der man eine emotionale Bindung unterhält, ist ein schwieriger Moment im Leben. Emotionale Brüche betreffen in erster Linie das Paar. Sie werden aber auch von Kindern wahrgenommen, deren Eltern sich trennen oder sich scheiden lassen. Es gibt aber auch andere Arten von Trennung, beispielsweise innerhalb der Familie oder unter Freunden.

Eine Trennung ist immer mit Stress und grosser emotionaler Belastung verbunden. Sie stellt eine Übergangsphase im Leben eines Menschen dar und zwingt ihn zur Anpassung.

Sie stellt nicht nur den Unterbruch oder Abbruch einer Beziehung zu einer anderen Person dar. Die neue Situation verlangt auch eine Neuorganisation der eigenen Lebensweise: auf rechtlicher, emotionaler, finanzieller, sozialer und manchmal auch auf elterlicher Ebene.

In diesen schwierigen Zeiten ist es wichtig, dass man bedarfsgerechte Unterstützung bekommt. Familie und Freunde sind meist die ersten, denen man sich anvertraut. Fachleute aus den Bereichen Paartherapie, Mediation, Psychologie, Psychotherapie oder aus dem medizinischen Bereich können ebenfalls eine Stütze sein.

Krankheit einer nahestehenden Person

Eine körperliche oder psychische Erkrankung des Partners oder der Partnerin, des Vaters, der Mutter, eines Kindes oder einer anderen nahestehenden Person verlangt oft viel von uns ab. Die Pflege einer kranken Person und/oder die Sorgen um sie können zur Erschöpfung führen oder eine Depression verursachen.

Diese ganz normalen Reaktionen auf schwierige Lebensumstände sind noch recht unbekannt. Solche Situationen können in jedem Alter auftreten. Man darf sich ruhig trauen, bei Krankheit einer nahestehenden Person über seine eigene Verzweiflung und Hilflosigkeit zu sprechen. Das ist kein Zeichen von Schwäche – ganz im Gegenteil! Zögern Sie nicht, mit einem Freund oder einer Freundin, mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt darüber zu sprechen oder kontaktieren Sie eine Selbsthilfegruppe.

Tod einer nahestehenden Person

Wenn eine nahestehende Person aus dem Leben gerissen wird, ist das für die Hinterbliebenen ein tiefer Einschnitt. Eine endgültige, durch den Tod herbeigeführte Trennung wird als enormer emotionaler Bruch erlebt.

Ein Todesfall verlangt von den Hinterbliebenen, dass sie ihr Leben neu organisieren, vor allem, wenn sie mit der verstorbenen Person im gleichen Haushalt gelebt haben.

Um seine Traurigkeit und die Verzweiflung über den Verlust eines geliebten Menschen zu überwinden, ist es wichtig, nicht allein zu bleiben und seinen Emotionen und seinem Leid Ausdruck verleihen zu können. Eine Fachperson um Unterstützung zu bitten, kann helfen.

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