Gewalt, Misshandlung, Missbrauch

Gewalt, Misshandlung und emotionaler oder sexueller Missbrauch können die körperliche und/oder geistige Gesundheit der Opfer beeinträchtigen. Diesen Personen muss ein offenes Ohr geliehen und rasch geholfen werden. Die Folgen des Erlebten können mit einer entsprechenden Begleitung besser überwunden werden. Doch auch die gewaltausübenden Personen brauchen Hilfe. Sie müssen lernen, ihre Emotionen oder Impulse, Aggressivität oder sexuelle Lust in andere Bahnen zu lenken. Darum ist es wichtig, über solche Verhaltensweisen zu sprechen.

Gewalt, Misshandlung und Missbrauch kommen in allen Lebensstadien vor. Die Opfer sind vor allem schwächere Personen – Kinder und Jugendliche (Mädchen und Jungen), Frauen, Betagte oder Personen mit einer psychischen Krankheit. Personen mit einer schweren psychischen Störung sind häufiger Opfer als die übrige Bevölkerung. In diesem Zusammenhang ist aber auch zu betonen, dass Menschen mit einer psychischen Störung (zum Beispiel Schizophrenie, bipolare Störung) nicht gefährlicher sind als andere.

Misshandlung kann auf verschiedenen Ebenen stattfinden:

  • körperlich
  • psychisch / emotional
  • sexuell
  • als vorsätzliche oder unabsichtliche Vernachlässigung
  • als Belästigung (Mobbing; auch in Verbindung mit dem Internet und sozialen Medien; dann spricht man von Cybermobbing).

Einmal oder wiederholt Gewalt, Misshandlung oder Missbrauch ausgesetzt zu sein, verursacht grossen Stress und ist stark traumatisierend. Die psychischen Folgen solcher Taten können verheerend sein.

Im Allgemeinen leiden die Opfer unter Schlafstörungen, Albträumen und Ohnmachtsgefühlen, haben ein geringes Selbstwertgefühl, sind einsam, behalten ihre Sorgen für sich, ziehen sich in sich selbst zurück und haben Schwierigkeiten, positive Beziehungen zu anderen aufzubauen. In einigen Situationen kann das bis zur Depression oder gar zum Suizidversuch führen.

Manchmal verleihen die Opfer ihrem Leid durch aggressives Verhalten Ausdruck: Sie werden beispielsweise rasch wütend, tendieren zum Streiten, Lügen oder Stehlen.

Gewalt, Misshandlung und Missbrauch – Kinder und Jugendliche

Gewalt und Missbrauch können in der Kindheit und Jugend besonders häufig vorkommen, da die Kinder und Jugendlichen von Autoritätspersonen (Eltern, Angehörige, Lehrpersonen, Trainer/innen) abhängig sind. Nach der Einschulung kann es vorkommen, dass ältere Jugendliche oder Gleichaltrige Aggressionen an Schwächeren ausüben, was bis zu Dauermobbing und zum Ausschluss aus der Gruppe gehen kann. Solche Situationen können für die Opfer seelisch schwer zu verkraften sein und bis zur Depression oder sogar zum Suizid führen.

Wenn Sie misshandelt werden oder von einer solchen Situation wissen, ist es wichtig, rasch zu handeln. Je früher diesen Taten ein Ende gesetzt wird, desto rascher kann das Opfer betreut werden und das Erlebte verarbeiten. Durch eine rasche Intervention kann auch die Person, die solche Taten ausübt, begleitet werden, damit sie ihr Verhalten verstehen und zu ändern versuchen kann.

Scham und Angst hindern einen manchmal daran, solche Taten anzuzeigen. Die Situation kann aber schon verbessert werden, wenn Sie mit einer Vertrauensperson (Eltern, Freundeskreis, Vertraute usw.) oder mit einer Fachperson der Schule, aus dem medizinischen Bereich oder dem Mediationsbereich darüber sprechen. Es ist wichtig, dass Erwachsene, denen so etwas erzählt wird, die Aussagen der Kinder und Jugendlichen ernst nehmen und handeln. Die Rolle als vielleicht einziger Geheimnisträger kann sehr belastend werden.

Unter der Telefonnummer 147 werden Sie anonym und kostenlos mit Fachpersonen verbunden, die Ihnen zuhören und Sie beraten können.

Sie können sich auch an die Polizei oder an einen Kindes- und Erwachsenenschutzdienst wenden. Die entsprechenden Adressen finden Sie hier.

Gewalt, Misshandlung und Missbrauch – Paarbeziehung

Auch in einer Partnerschaft kann Gewalt vorkommen. Das geht weit über die Meinungsverschiedenheiten oder Streitigkeiten, welche die meisten Paare kennen, hinaus. Bei Gewalt in der Paarbeziehung will ein Partner oder eine Partnerin meist den anderen oder die andere dominieren.

Dabei kann es sich um körperliche, sexuelle, psychische oder ökonomische Gewalt handeln. Die Folgen für das Opfer sind verheerend: körperliche Verletzungen, psychisches Leid, Zwang, Angst, Schuld, Scham... Gewalt in der Paarbeziehung kann sogar tödlich enden.

Gewalt ist nie entschuldbar. Häusliche Gewalt gilt unter bestimmten Umständen als Offizialdelikt und wird von Amtes wegen verfolgt (Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, einfache Körperverletzung, wiederholte Tätlichkeiten, Drohung und Nötigung). Es ist wichtig, diese Taten nicht klein zu reden oder zu denken, dass das nur vorübergehend ist. Im Allgemeinen hat die gewaltausübende Person Probleme. Sie sollte sich von einer Fachperson helfen lassen. Mittlerweile gibt es viele Täterberatungsstellen.

Wenn Sie Opfer von Gewalt in der Paarbeziehung sind, selbst Gewalt anwenden oder Zeuge solcher Gewalt werden: Bleiben Sie mit diesem Problem nicht allein. Dem muss schnellstmöglich Einhalt geboten werden. Sprechen Sie mit einer Vertrauensperson aus Ihrem Umfeld darüber oder wenden Sie sich an eine Fachperson, an eine spezialisierte Vereinigung oder an die Polizei. Diese können Sie beraten und Ihnen Lösungen vorschlagen. Durchsuchen Sie unsere Datenbank hier.

Gewalt, Misshandlung und Missbrauch – Betagte

Der Verlust der Selbstständigkeit und die Einsamkeit, die ab einem gewissen Alter auftreten können, machen ältere Menschen verletzlicher und führen dazu, dass sie eher Opfer von Misshandlung, Vernachlässigung oder Respektlosigkeit sind.

Die Misshandlung kann auf einer körperlichen, psychologischen, emotionalen, sexuellen oder finanziellen Ebene stattfinden. Sie kann aber auch die Folge absichtlicher oder unabsichtlicher Vernachlässigung sein.

Die misshandelnden Personen können Angehörige oder Nahestehende sein, die sich um die Betagten kümmern. In manchen Fällen sind es aber auch Fachleute.

Diese Erfahrungen sind für die Opfer oft traumatisierend und verursachen grosses psychisches Leid.

Wenn Sie Opfer von Misshandlung sind, jemanden misshandeln oder eine solche Tat bemerken, ist es wichtig, dem so rasch wie möglich einen Riegel vorzuschieben. Sprechen Sie mit einer Vertrauensperson aus Ihrem Umfeld oder mit einer Fachperson (Pflegefachperson, Arzt/Ärztin, Spitexdienst usw.) darüber. Sie können sich auch an die Polizei wenden. Senioren- und Seniorinnenvereinigungen können Ihnen ebenfalls weiterhelfen. Mehr Informationen finden Sie in unserer Datenbank hier.

Quellen :

 

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