Veränderungen im Laufe des Lebens

In gewissen Zeiten unseres Lebens kommt es natürlicherweise zu grossen Veränderungen. Das ist in der Kindheit, in der Pubertät, während der Meno- oder Andropause (dem männlichen Äquivalent zur Menopause) und im Alter der Fall. Diese Lebensabschnitte stellen uns vor neue Herausforderungen und können unser psychisches Gleichgewicht durcheinander bringen.

Es gibt aber noch andere vorher- oder unvorhersehbare Ereignisse, die unsere psychische Gesundheit beeinflussen können. Darauf wird vor allem in den Kapiteln Familienleben und Berufsleben eingegangen.

Kindheit

In unseren ersten Lebensjahren wachsen wir am schnellsten. In dieser wichtigen Zeit eignet sich das Kind verschiedene Kompetenzen an, die es sein ganzes Leben lang brauchen wird. Darum ist es wichtig, auch der psychischen Gesundheit des Kindes Beachtung zu schenken. Manchmal können sich Eltern Sorgen machen oder ganz einfach Fragen zu einem Verhalten, einer Einstellung oder zu Emotionen des Kindes haben. Es ist wichtig, dass man sich traut, darüber zu sprechen, beispielsweise mit dem Kinderarzt oder der Kinderärztin, mit einer Fachperson der Mütter- und Väterberatung oder der Kindertagesstätte oder mit der Schulgesundheitsfachperson.

Jugend

Der Übergang von der Kindheit zum Erwachsenenalter ist eine bedeutende Entwicklungsphase. Die Pubertät zeichnet sich durch grosse körperliche und seelische Veränderungen aus. Auf gesellschaftlicher Ebene bestätigen die Jugendlichen ihre Identität und Autonomie. Sie streben danach, erwachsen zu werden und sich das anzueignen, was man mit dem Erwachsensein in Verbindung bringt. Gleichzeitig wollen sie aber ihre Stellung als Kinder nicht verlieren – vor allem ihren Eltern gegenüber. Diese Ambivalenz kann zu psychischen Spannungen führen. Die meisten Kinder ziehen in diesem Lebensabschnitt auch von zu Hause aus – eine Zeit, die für die ganze Familie schwierig sein kann.

Bei den meisten Jugendlichen gehen diese Veränderungen mit Stress, Stimmungsschwankungen, körperlichen Beschwerden (Kopf-, Bauchschmerzen) und/oder Schlafstörungen einher. Solche Symptome sind in dieser Übergangsphase völlig normal. Sie sind nur vorübergehend und werden wieder abklingen.

Manchmal treten allerdings grössere psychische Probleme auf. Sie können auf eine verzerrte Selbstwahrnehmung, Beziehungsprobleme mit den Eltern und/oder mit anderen Jugendlichen, Einsamkeit oder schulische Schwierigkeiten zurückzuführen sein. Ihre Symptome sind vielfältig: Angststörungen, Depressionen, Essstörungen, Suizidgedanken, Drogenkonsum usw. Diese Probleme sind nicht unbedingt Anzeichen einer anhaltenden psychischen Störung. Allerdings ist bei Jugendlichen jede Krise ernst zu nehmen. Je nach Schweregrad kann eine Fachperson eine beginnende psychische Krankheit diagnostizieren. Je früher eine solche Krankheit erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Erfolgsaussichten. Warten Sie deshalb nicht zu lange zu.

In solchen Situationen ist es auf jeden Fall wichtig, dass man mit seinen Problemen nicht alleine bleibt. Mit einem Freund, einer Freundin oder einer erwachsenen Vertrauensperson zu sprechen, kann gut tun. Auf der Website www.tschau.ch oder www.feel-ok.ch finden Jugendliche und junge Erwachsene nützliche Informationen.

Fachleute (Lehrpersonen, Schulgesundheitsfachperson, Leiter/innen des Jugendzentrums, Hausärztin/Hausarzt) oder Fachleute für geistige Gesundheit wie eine Psychologin oder ein Psychologe können verschiedene Hilfestellungen bieten und eine wertvolle Stütze sein.

Menopause und Andropause

Das Durchschnittsalter der Menopause oder der letzten Regelblutung liegt um die 50 Jahre. In dieser Zeit muss die Frau mit starken hormonellen Veränderungen klar kommen, die sich sowohl körperlich als auch psychisch äussern.

Die Einstellung der Produktion von Östrogen (Sexualhormon) führt häufig zu Hitzewallungen und kann die Schlaf- und Lebensqualität beeinträchtigen.

Viele Frauen leiden in dieser Zeit an starken Stimmungsschwankungen, sie sind reizbar, nervös, haben Schlafstörungen. Manchmal kann das auch zu einer Depression führen.

Wenn sich diese Anzeichen bemerkbar machen, sollte man mit jemandem darüber sprechen, beispielsweise mit einer Freundin oder einer Frauenärztin/einem Frauenarzt. Fühlt man sich stark beeinträchtigt, kann eine Fachperson für psychische Gesundheit wie eine Psychologin oder ein Psychologe geeignete Lösungsansätze liefern.

Bei den Männern kann die verminderte Produktion von Testosteron (männliches Sexualhormon) im Alter von 50 bis 60 Jahren ebenfalls körperliche und psychische Veränderungen herbeiführen. Man spricht von der Andropause, die sich durch Verlust von Muskelmasse und verminderte Libido bemerkbar macht. Auch affektive Störungen (Depression, Reizbarkeit) sind möglich. Stellt man solche Symptome fest, hilft es, mit jemandem darüber zu sprechen, beispielsweise mit der Hausärztin oder dem Hausarzt.

Alter

Mit der steigenden Lebenserwartung leben immer mehr Menschen länger, sind länger aktiv und erfreuen sich guter Gesundheit. Aus diesem Grund spricht man bei Seniorinnen und Senioren heutzutage von zwei Lebensaltern: Das dritte Alter beginnt mit 65 Jahren, mit dem Eintritt ins Rentenalter. Das vierte Alter beginnt um die 80 Jahre und kann mit einem schrittweisen Verlust der Selbstständigkeit einhergehen.

Das sind Zeiten, in denen Krankheiten, chronische Schmerzen oder Schlafstörungen auftreten können. Diese körperlichen Veränderungen können auch das psychische Wohlbefinden beeinträchtigen. Es kann vorkommen, dass in diesem Alter psychische Störungen wie Angststörungen, Depressionen oder Demenz auftreten. Manchmal hegt jemand in diesem Lebensabschnitt Suizidgedanken, was häufig ein Tabu und schwer zu verstehen ist. Daher ist es sehr wichtig, über solche Gefühle und Gedanken zu sprechen und Fachleute aufzusuchen.

Ältere Personen sind auch stärker Misshandlung, Vernachlässigung und mangelndem Respekt ausgesetzt. Solche Erlebnisse sind meist verletzend, beschämend oder traumatisierend.

Auch im Alter können psychische Probleme vorübergehend sein oder länger anhalten. Man sollte mit seinen Problemen nicht allein bleiben und mit jemandem aus seinem Umfeld oder mit Fachleuten wie der Hausärztin oder dem Hausarzt darüber sprechen. Auf diese Weise können Lösungen gefunden werden, um das Wohlbefinden im Alltag zu steigern.

Wenn es die körperliche Gesundheit erlaubt, kann die Teilnahme an Gruppenaktivitäten dazu beitragen, dass man sich umsorgt und gebraucht fühlt. In jedem Kanton gibt es ein vielfältiges Angebot für Seniorinnen und Senioren.

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